AN DIE NACHGEBORENEN

Kompositionen von Eisler nach Texten von Bertolt Brecht und Anderen über Verfolgung, Krieg, Vertreibung und Flucht / Gedichte von Auschwitz – Überlebenden

Julia Barthe, Gesang
Gerd Jordan, Klavier
Inés Fabig, Rezitation
Andre Rebstock, Idee

Dieses Programm haben wir erstmals Anfang 2019 anlässlich des Gedenktages zur Befreiung von Auschwitz am 27.1.1945 aufgeführt.

In diesem Jahr wurde viel darüber diskutiert, dass jüngere Menschen keine Vorstellung mehr haben, was der Begriff „Auschwitz“ bedeutet, da es immer weniger Überlebende gibt, und wir beobachten eine immer stärker werdende Tendenz, die Vergangenheit „abzuschließen“, zu verharmlosen oder gar abzustreiten. Dem möchten wir mit diesem Programm entgegenwirken.

Das etwa einstündige Programm ist sehr intensiv und eigentlich kaum auszuhalten. Mir ist es aber sehr wichtig, denn wenngleich ich in meinem Leben immer wieder schwere Zeiten erlebt habe, war das doch immer „nur meine ganz persönliche Hölle“ und ich könnte jeden Tag auf die Knie gehen, dass ich in diesem sicheren, friedlichen, stabilen Land lebe, in dem trotz aller Unkenrufe unglaublich vieles funktioniert und dass ich nicht mit meinen Kindern an der Hand durch ein fremdes Land irre, ohne zu wissen, wohin.

Im Mai 2019 saß in einer unserer Aufführungen Esther Bejerano keine drei Meter vor mir.
Nie in meinem langen Sängerleben habe ich so sehr an dem gezweifelt, was ich mache – vor allem die „Ballade der Judenhure Marie Sanders“, eines der ganz großen Lieder von Esther Bejerano, stand mir regelrecht bevor.
Wer bin ich, diese Lieder zu singen, die ich keine Ahnung habe, was die Menschen in den 30er und 40er Jahren durchgemacht haben?! Ich wollte auf keinen Fall aufgesetzte Betroffenheit „verkaufen“ und habe in diesem Moment alles gegeben, was mir an Empathie zur Verfügung steht.
Es hat mich über alle Maßen berührt, dass Esther Bejerano im Anschluss an dieses Lied „Bravo“ rief (was eigentlich in diesem Programm nicht angebracht ist). Das war für mich wie ein „Ritterschlag“. Die nächsten Lieder konnte ich nur unter Tränen singen.
Mir wurde bewusst, wie wichtig es ist, diese Texte und diese Musik weiterzutragen und sie an die kommende Generation weiterzugeben.

Gedenktage wie z.B. das Ende des 2. Weltkrieges am 8. Mai und die Reichspogromnacht am 9. November gibt es viele.

Daher wird es in Zukunft hoffentlich zahlreiche weitere Aufführungen geben.