Portrait

PORTRAIT

Julia Barthe wurde 1965 in Hamburg geboren. Sie erhielt früh Klavier- und Violinunterricht und wirkte in Orchestern und Kammermusikensembles mit. Nach einem Musikwissenschaftsstudium schloss sich ein Gesangstudium bei Gisela Litz in Hamburg an. Nach dessen Abschluss arbeitete sie mit Renate Behle. Sie besuchte Meisterkurse bei Barbara Schlick, Klesie Kelly u. a.

Während ihrerer Ausbildung übernahm Julia Barthe Hauptrollen in einer Reihe von szenischen Produktionen. Ihre Vorliebe galt jedoch schon bald dem Lied- und Oratorienbereich. Sie tritt regelmäßig in den Hamburger Hauptkirchen auf und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Lied des 19. und 20. Jahrhunderts. Verpflichtungen führten sie in zahlreiche deutsche Städte und in das europäische Ausland.

Seit etlichen Jahren unterrichtet Julia Barthe mit großer Freude Schüler fast jeden Alters und mit unterschiedlichesten Zielen. Darüber hinaus übernahm sie auch die Stimmbildung verschiedener Chöre, unter anderem betreut sie den Kinder – und Jugendchor St. Michaelis und den Voix de Femmes.

Aus: Schreiben eines Lebenslaufs (Wislawa Szymborska)
 
…Ungeachtet der Länge des Lebens
hat der Lebenslauf kurz zu sein.
Geboten sind Bündigkeit und eine Auswahl von Fakten.
Die Landschaften sind durch Anschriften zu ersetzen,
labile Erinnerungen durch konstante Daten.
Von allen Lieben genügt die eheliche,
nur die geborenen Kinder zählen.
Wichtig ist, wer dich kennt, nicht, wen du kennst.
Reisen, nur die ins Ausland.
Zugehörig wozu, aber ohne weshalb.
Preise, ohne wofür.
Schreibe, als hättest du niemals mit dir gesprochen
und dich von weitem gemieden.
Umgehe mit Schweigen Hunde, Katzen und Vögel,
den Erinnerungskleinkram, Freunde und Träume.
Der Preis gilt, nicht der Wert,
der Titel, nicht der Inhalt,
die Schuhgröße, und nicht wo
der Mensch, für den man dich hält, hingeht.
Dazu eine Photographie mit entblößtem Ohr.
Wichtig ist seine Form, nicht, was es hört…
 
 
Lebenslauf II
Wer einen Lebenslauf hat, braucht keinen. Wer einen Lebenslauf braucht, hat keinen.
Wenn jemand stromlinienförmige Karrieren liebt oder hier das Who-is-who der Musikwelt erhofft oder erwartet, möge er an dieser Stelle seine Lektüre beenden. Lebenslauftaugliche Ereignisse und das übliche Namedropping empfinde ich als entsetzlich austauschbar.
Es entspricht nicht dem, was mein (sängerisches) Leben ausmacht.
„Leistungen“, die mehr als 20 Jahre zurückliegen, halte ich nicht für erwähnenswert.
Ich wollte immer nur in Hamburg sein und habe hier (auch musikalisch) so viel erlebt, dass es für mindestens drei Leben reicht – das ist hier aber nicht verwertbar.
Also: 
Julia Barthe wurde 1965 in Hamburg geboren und hat diese Stadt kaum verlassen. Vermutlich gibt es weltweit keine Stadt, in welcher die Kirchenmusikszene so vielfältig ist. So tritt Julia Barthe seit mehr als 30 Jahren immer wieder als Solistin in zahlreichen Hamburger (Haupt-) Kirchen und im Norddeutschen Raum auf.
Ja, es gab auch ein paar schöne Reisen 😉
Ihr Wunsch ist es, Menschen mit ihrer Stimme und ihrer Persönlichkeit zu berühren. Julia Barthe hat nie aufgehört, an ihrer Stimme zu arbeiten, um immer mehr Klarheit und Wärme zu finden.
 
Berührendste musikalische Erlebnisse:
Caccinis Ave Maria 2009 in Rom
Konzert anlässlich ihres 50.Geburtstages 2015
Häufigstes Kompliment:
„Sie sah aus wie ein Engel und sang wie ein Engel.“ (Ja, auch heute noch ;-))
Lieblingskomplimente:
„Wenn man dich singen hört, kommt man dir näher.“
„Ein Klang wie eine Stradivari.“
„Du könntest einen Atheisten zum Glauben bekehren.“
„Dein Unterricht ist wie ein Gewächshaus mit offenen Fenstern.“
 
Julia Barthe hat es lange abgelehnt, zu unterrichten, da sie intensiv auf der Suche nach ihrer Stimme war.
Seit mehr als 20 Jahren hat sie aber immer mehr Freude daran gefunden, Menschen das Singen zu vermitteln und ist glücklich, dass so viele wunderbare Menschen zu ihr kommen und dass sie eine Reihe von Chören intensiv stimmbildnerisch betreuen darf.
Inzwischen gewinnt das Wörtchen „noch“ immer mehr an Bedeutung, aber Julia Barthe hat den Eindruck, jetzt, mit über 50, auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen und interpretatorischen Möglichkeiten angekommen zu sein und endlich zu wissen, was sie kann – und was sie nicht kann.
Jeden Tag ist sie dankbar, dass sie Musik machen darf.
Und wenn die „offiziellen Engagements“ weniger werden sollten, hat sie noch viele Ideen für eigene Projekte.